Ihr dürft diese “Meditation” jederzeit machen, auch mit einem kranken Hund,
denn es sind nur Streicheleinheiten, es geht nur um Körperkontakt.
Warum ich es Meditation nenne:
Ihr solltet mit eurer gesamten Aufmerksamkeit bei eurem Hund sein.
Lasst euch nicht von Geräuschen ablenken.
Schaltet alle Telefone stumm. Stellt die Türklingel ab, wenn’s geht.
Sorgt dafür, dass ihr nach Möglichkeit nicht gestört werdet.
konzentriert euch voll und ganz auf euren Hund.
Versucht, an nichts anderes zu denken als an euren Hund.
Wenn euch das für die Zeit dieser Meditation gelingt, seid ihr hinterher so entspannt und erholt, wie euer Hund.
Wenn es euch hilft, legt eine leise Entspannungsmusik auf. Der Hund braucht keine.
Aber mehr Geräusch sollte nicht sein.
Verzichtet auf Düfte.
Denn ob der Duft dem Hund gefällt wisst ihr nicht. Es gibt Düfte bei denen mein Hund ständig niest.
Position einnehmen:
Geht mit Ihrem Hund auf den Fußboden.
Ihr kennt euren Hund und wisst, wie ihr ihn dazu bringen könnt,
sich hinzulegen und sich von euch streicheln zu lassen.
Setzt euch zu eurem Hund
Findet eine Position, in der ihr bequem sitzen
und den Hund von der Nasenspitze bis zur Schwanzspitze erreichen könnt.
Am einfachsten ist es, wenn der Hund liegt, aber er muss keine bestimmte Position einnehmen.
All das könnt ihr auch am sitzenden Hund machen.
Es spielt übrigens keine Rolle, wenn ihr nur auf einer Seite des Hundekörpers arbeiten könnt.
Die andere Seite macht ihr ein anderes Mal.
Der Hund muss sich nicht umdrehen!
Ganz wichtig:
Ihr solltet immer beide Hände auf eurem Hund haben.
Wenn ihr nur mit einer Hand arbeiten wollt oder könnt, lasst die andere Hand irgendwo auf dem Hundekörper ruhen. Aber das Gefühl von Verbundenheit und Aufmerksamkeit ist größer, wenn beide Hände auf dem Hund liegen oder arbeiten.
Noch viel wichtiger:
Ihr macht alles gaaaaanz laaaaaangsam.
Das ist die Grundvorraussetzung dafür, dass es meditativ und entspannend wird.
Und dann fangt ihr an:
Lange Striche über den gesamten Hundekörper.
Wenn euer Hund es mag, dass ihr ihm ins Gesicht fasst, dann beginnt mit diesen Strichen, indem ihr sachte die Hand auf seine Schnauze legt, sachte über die Augen gleitet, über den Kopf, den Hals, den gesamten Rücken, den gesamten Schwanz bis zur Spitze und ein kleines Stück darüber hinaus.
Mag euer Hund die Hand im Gesicht nicht, fangt ihr oben auf dem Kopf an.
Wenn euer Hund so groß ist, dass ihr diesen Strich nicht von Anfang bis Ende mit einer Hand ausführen könnt, beginnt ihr mit der einen Hand und wechselt “unterwegs” auf die andere Hand. Die jeweils untätige Hand ruht dann auf dem Hundekörper.
Bei einem Welpen könnt ihr eine Hand unter sein Köpfchen legen und nur mit der anderen arbeiten. Versucht, den Welpen so oft wie möglich zu umfassen und ihm ein Gefühl von Geborgenheit zu geben.
Wenn der Hund noch nicht entspannt ist und neugierig guckt, macht ihr mit diesen Strichen einfach weiter. Ihr könnt den ganzen Körper auf diese Weise ausstreichen und die Striche auch über die Schultern oder die Schenkel in den Füßen enden lassen. Aber achtet darauf, dass ihr den Hund “nicht in Position schubst”. So wie er liegt, liegt er richtig. Der Hund braucht in dieser Zeit nichts zu tun. Stellen, an denen der Hund Berührungen nicht mag, spart ihr einfach aus.
Irgendwann streckt der Hund sich sicherlich aus und beginnt, die Sache zu genießen.
Wie lange müssen ihr das machen? So lange ihr möchtet. Wenn ihr möchtet und wenn es dem Hund gefällt, kann die ganze Hundemeditation nur aus diesen “langen Strichen” bestehen.
Aber wir gehen einmal davon aus, dass ihr ein bisschen Abwechslung ins Spiel bringen möchtet, darum kommt nun eine Variante:
Striche mit Handwechsel
Zum besseren Verständnis nenne ich diese Methode einfach mal “2 Schritt vor - 1 Schritt zurück”. Es macht also eine Hand einen kurzen Strich von “2 Schritten vor”, die andere Hand setzt “1 Schritt” zurück an und streicht dann ebenfalls “2 Schritte vor”. Auf diese Weise kommt ihr mit kurzen Strichen, abwechselnd von jeder Hand ausgeführt, über die gesamte “Länge” eures Hundes.
Wichtig dabei ist, dass immer bevor eine Hand abhebt, die andere schon aufgesetzt hat. Dadurch ist immer Kontakt da, irgendeine Hand ist immer am Körper. Und das bitte auch gaaanz laaangsam. Der Handwechsel verleitet dazu, schneller zu werden, aber das sollet ihr nicht. Es bleibt langsam.
Auch diese Striche mit Handwechsel könnt ihr über den ganzen Hundekörper machen und entweder an der Schwanzspitze oder in den Füßen des Hundes enden lassen.
Wenn der Hund sich vor Wonne auf den Rücken dreht, machet ihr das am Bauch und fangt vielleicht sogar am Unterkiefer damit an. Die Beininnenseiten könnt ihr ausstreichen. Ihr könnt auch die Beine und den Schwanz komplett mit den Händen umfassen und ausstreichen.
Entdeckungsreise
Hier beginnt der eigentliche, meditative Teil.
Mit den Strichen habt ihr den Hund (und euch selbst) nach einer Weile darauf eingestimmt, dass es Streicheleinheiten gibt. Er ist sicherlich ruhiger geworden, (ihr sicherlich auch), hat eine entspannte Lage gefunden (ihr hoffentlich auch) und lässt euch machen. Wenn er so weit ist, kommt der nächste Schritt.
Jetzt fangt ihr an, den Körper eures Hundes zu ertasten. „Wie fühlt sich mein Hund unter dem Fell an?“ Macht dabei dabei die Augen zu und stellen euch vor, eure Augen sitzen in euren Fingern. Und jetzt erkundet den Körper eures Hundes.
Dafür bekommen ihr von mir überhaupt keine Regeln. Tastet ihn einfach ab von Kopf bis Fuß und in die Schwanzspitze und nehmet einfach nur wahr, was ihr spürt bzw. mit euren Fingern ”seht”. Probiert es aus: Es geht leichter mit geschlossenen Augen. Und nicht massieren, nur tasten. Mit den Fingern, mit der ganzen Hand, egal.
„oops, da ist ja eine Kuhle“
„da hat ein Muskel gezuckt“
„da pocht was“
„hier ist er total warm“
„der Herzschlag“
„er hat ganz kalte Ohren“
„hier ist er ganz weich“
„huch, was kleine Wirbelchen“
„der hat ja kalte Füße“
„hihi, hier scheint er das ja total gerne zu haben“
Auf diese Weise sollt ihr euren Hund entdecken. Ihr sollet nichts bewerten oder euch Gedanken darüber machen, warum der Hund kalte Ohren oder heiße Füße hat. Ihr sollt nur registrieren, wie er sich anfühlt, ihn kennenlernen. Wo sind Muskeln? Wo sind Knochen? Wo sind Kuhlen? Wo sind Rillen? Wo mag er angefasst werden? Wo nicht?
Wenn mein Banjo zwischendurch guckt, oder aus der Entspannung kommt, flüstere ich leise mit ihm. Sicherlich habt ihr im Umgang mit eurem Hund Worte, die für den Hund positiv und beruhigend sind. Bei uns ist das unter anderem „braver Banjo”. Wenn Banjo aus der Entspannung auftaucht und ich noch weiter machen möchte, dann fange ich an, ganz monoton und ganz leise mit ihm zu reden ihm immer wieder zu erzählen, was er für ein „braver Banjo” ist. „So ein braver Banjo ein gaaaanz braver Banjo.” Dabei kommt es nicht auf Sinn und Unsinn an. Ich habe festgestellt, dass das leise, monotone Runterleiern von positiven Begriffen in Verbindung mit dem Namen, bei Tieren ungeheuer beruhigend wirkt. Probiert es aus. Hört dabei mit dem, was ihr gerade tut, nicht auf.
Dieses monotone Flüstern kann auch zu Beginn bei den “Langen Strichen” eingesetzt werden. Ihr vermittelt dem Hund damit, dass er so wie er ist schon brav ist, dass ihr nichts von ihm erwartet, alles ist OK, denn er ist ja brav.
Abschluss
Wenn der Hund aufsteht ist die Sitzung sofort beendet. Das heißt nicht, dass ihr nicht gut genug wart, sondern nur, dass es an diesem Tag, oder bei dieser Sitzung für den Hund genug ist. Er weiß das auf jeden Fall besser als ihr. Respektiert das bitte.
Wenn der Hund nicht abbricht, sollten ihr spätestens nach 20 Minuten aufhören. Das ist lange genug. Dann beginnt ihr wieder, größere Striche über den Hundekörper zu machen. Handwechsel vielleicht, oder sofort Lange Striche. Ihr solltet auf jeden Fall den Hund, auch wenn er schon steht, 2 oder 3 mal über den ganzen Körper ausstreichen. Wenn er aufgestanden ist, knuddeln ihr ihn einmal gründlich durch, damit er wieder munter wird. Wenn er liegen bleiben möchte rubbelt ihr ihn ein bisschen und ermuntert ihn, aufzustehen.
Ich wünsche euch viel Spaß bei diesem “Abenteuer” und dass ihr euch danach so wohl fühlt,
wie Banjo und ich.